" In den letzten Jahrzehnten hat man immer wieder versucht, feuchtebedingte Mauerwerks- und Putzschäden durch nachträgliche abdichtende Maßnahmen im Horizontal- und Vertikalbereich dauerhaft zu beseitigen.
Dabei mußte man immer wieder feststellen, daß dies nur bedingt möglich ist, da - wie heute allgemein bekannt - viele der sichtbaren Schäden im feuchte- und salzbelasteten Mauerwerk in erster Linie auf die Wirkung von Salzen zurückzuführen sind. Diese lösen sich im Wasser, wandern durch das Mauerwerk und konzentrieren sich dort, wo die günstigsten Verdunstungsbereiche sind. Sie führen dann zu mechanischen Schäden im Putz- und Mauerwerksbereich durch Kristallisations- und Hydratationsvorgaänge auf der einen Seite und zu einer Erhöhung des Feuchtegehalts durch hygroskopische Effekte.
Durch diese hygroskopische Wasseraufnahme wird der Feuchtehaushalt der Wand nachhaltig im ungünstigen Sinne beeinflußt."
5. Bautenschutz und Bausanierung B+B 5/2005: Dr. Dirk Hoffmann, BAM - Bundesanstalt für Materialprüfung, Berlin: "Wie wirksam? Nachträgliche Maßnahmen gegen Feuchtigkeit im Mauerwerk - Verfahren und ihre Ergebnisse in Praxis und Labor
... (nach allerlei widersprüchlichen Ergebnissen verschiedener Bohrlochtränkungsverfahren, als Ergebnis einer Testreihe im Labor mit einem firmenseits angewendeten Injektagemittel unbekannter Zusammensetzung)
Der Mauerausschnitt stand bis zur Installation eines chemischen Verfahrens zwei Jahre im Wasser und hatte zum Zeitpunkt des Versuchsbeginns 43,3 kg Wasser aufgenommen. In der 3. Ziegellage oberhalb des Wasserspiegels (= 4. Lage von unten) sind dann jeweils acht Bohrlöcher eingebracht worden. ...
Diese wurden dann mit einer chemischen Lösung unbekannter Zusammensetzung gefüllt. Da sich innerhalb eines halben Jahres keine Masseabnahme, sondern eine Zunahme von 1,4 kg einstellte, erfolgte durch die Firma nach einbringen neuer Bohrlöcher eine zweite Injektion in die 4. und 5. Ziegellage oberhalb des Wasserspiegels.
Nach wiederum einem halben Jahr ließ sich auch hier eine Massezunahme um weitere 5 kg feststellen. Auf der Oberfläche der Ziegel und der Fugen hatten sich erhebliche Mengen an Ausblühungen gebildet. Daraufhin wurde der Versuch abgebrochen."
(Erst eine Injektionsmethode nach Ausheizungen reduzierte die Wasserbefrachtung. Das vermag allerdings nicht zu verwundern ...)
6. Leo Pel, Moisture transport in porous building materials, Ph.D. thesis, Eindhoven University of Technology, the
Netherlands (1995)
"Moisture Transport Across Brick/Mortar Interface"
Holländische Bauforschung um Dr.ir. Leo Pel, Eindhoven University of Technology, Department of Physics, Centre for Material Research with Magnetic Resonance, Transport in Permeable Media, verwendet - typisch Wissenschaft - in der Baupraxis vollkommen unbrauchbare Mörtel mit extrem geringem Luftporengehalt und Porenvolumen, umzumindest minimale Transporvorgänge aus dem Ziegelsten in den Versuchsmörtel zu erzwingen - trotzdem eine Bestätigung des normalerweise unendlich hohen Kapillarwiderstands zwischen Stein und baustellenüblichem bzw. historisch gebräuchlichem porenreichem Kalkmörtel. Zitat zum Wassertransport zwischen Ziegelstein und Mörtel und umgekehrt:
In the case of absorption from brick to mortar, moisture profiles start to develop in the mortar when the water reaches the interface. Since the mortar absorbs water rather slowly, the brick is quickly saturated up to its capillary moisture content. In the case of absorption from mortar to brick, the water is quickly absorbed by the brick when it reaches the interface, and after a few hours an almost stationary moisture profile develops in the mortar."
(Auf der angelinkten Webseite Grafiken, die den stark verminderten Transport vom Stein in den Labormörtel verdeutlichen)
Da die Saniervertreter bzw. ihre "Merkblätter" zu Injektions- und Dichtungspampen auch gerne noch Sanierputz als "flankierende", ein Dr.-Ing. Helmut Künzel sogar als alleinig ausreichende Maßnahme vorschlagen/vorschreiben, empfehle ich auch die kritische Durchleuchtung dieser Wunderwaffe, z.B. durch Drücken dieses fabelhaft weggeschwarteten Sanierputz-Bildleins. Und den Feuchteexperten, die mit schwachverständigen Schlechtachten zu den Vorzügen und Nachteilen verschiedenster Trockenlegungsmethoden bei Bautölpeln hausieren gehen, ohne die hier vorgetragenen Argumente gegen sinnlose Versuche darzustellen, sei geweissagt: Irgendwann geht das schief und die angespreizte Reputation schwindet dahin.
Ein Nachschlag:
Zum historischen Hintergrund der Salzbelastung am Bauwerk schreibt Otto Krätz in der SZ am Wochenende, 10.11.01 (S. I):
"Drastisch beschreibt der Technologe F. Knapp 1847 die unter den damals recht großzügigen hygienischen Bedingungen allenthalben zu entdeckende Salpeterbildung.
"In stark bevölkerten Städten in engen Straßen, wo sich die Exkremente der Zugtiere, der Abfall der Schlächtereien, Spülwasser aus den Häusern, Abfälle von den Märkten, wo man Fleisch, Geflügel, Fische und andere Nahrungsmittel verkauft werden, wo sich diese und viele derartige Dinge mit dem flüssigen Inhalt der Gossen vermischen und in fortwährender Fäulnis bgriffen sind, sieht man,wie der Mörtelverputz an dem Fuße der Außenmauern nach und nach zerfressen wird und sich mit schneeartigen, weißen, kristallinigen Ausblühungen bedeckt und "Salpeterfraß" genannt wird."
Noch im 18. Jahrhundert nutzte die kurbayerische Armee den besonders reichlichen Mauersalpeter der jaucheumspülten und meist nicht unterkellerten Bauernhäuser. Von Soldaten geschützte Abgesandte der Salpeterkommission überfielen im Morgengrauen wehrlose Gehöfte, rissen die Bodendielen heraus und kratzten den Salpeter ab. Die Bauern [...]setzten mit Unterstützung der Kirche durch, dass zumindest jener Teil der Wohnstube, der der religiösen Andacht diente, verschont blieb. Durch demonstrative und reichliche Anordnung von Herrgottswinkeln, Hausaltären und Heiligenbildern konnte man die Salpeterkommission aushebeln. Diese Schlitzohrigkeit begründete den bis heute anhaltenden Ruf tiefer Frömmigkeit des bayerischen Landvolks."
Mir boarischen Engel, mir san scho Hünd ... so etwa könnts ausgsehn ham, was die Saliterer narrisch machte:
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Man beachte, wie vereinzelte Salzflächen der Annahme einer flächig aufsteigenden Feuchte Hohn sprechen
Und hier noch thematisch zur oben angeführten Kritik an der bösen Normenreiterei passende Auszüge aus einem bemerkenswert kritischen Fachartikel in ARCONIS 1/02, Dietrich Hinz: PE-Folien in Fußbodenkonstruktionen gegen Erdreich bei reiner Bodenfeuchte (hat`s vielleicht zu lange in die Baugrube geregnet, liegt sie im Hochmoor oder Torfsumpf, liegt da gar ein artesischer Brunnen vor? - Sachen gibt`s, die gibt`s gar net! Dafür machen schlechtberatene Bauherren gerne selbst ihre Bude naß - durch den Einbau von Unterböden aus Beton. Wieviel Jahrzehnte daraus die unheimlichen Feuchtemengen herauskriechen, wie so eine brutale Betonplatte sich erst böse wölbt (wenn sie oberseitig abtrocknet), um danach (wenn die Restfeuchte nach Einbau Bodenbelag dann nach oben stößt und sich dort staut) heimtückisch zu schüsseln, und um dann zu schlechter Letzt den Oberboden nach besten und geradezu unheimlichen Kräften zu beschädigen) fragt sich so ein Bauherr lieber nicht! Dabei gäbe es so schön bewährte Lösungen in Trockenbauweise ...):
"[...] In vielen Details werden - praxisgerecht - PE-Folien ohne zusätzliche Abdichtungsbahnen [unter Beton-Kellerbodenplatten] angegeben. Wird jedoch keine zusätzliche Abdichtungsbahn [ein Muß gem. DIN 18195-4:2000-08/1.4/ Ziffer 6.2.1 Satz 1] vorgesehen, werden Tausende von m² Gebäudegrundflächen nicht regelgerecht gebaut, weil im Sinne der Norm die Bodenplatten nicht gegen Bodenfeuchte abgedichtet sind. Deshalb müssen diese Konstruktionen jedoch nicht zwangsweise mangelhaft sein.
Jener Mangelbegriff, der sich bei fehlerfreier Ausführung ausschliesslich auf einen Verstoss gegen die allgemein anerkannten Regeln der Technik (a.a.R.d.T.) beruft, ist zunehmender Kritik unterworfen.
Würde die Neufassung der Norm alles Erforderliche zum Schutz vor Schäden aus Wasserbelastungen enthalten, was zum Stand der Herausgabe technisch richtig und in der Praxis erprobt ist, so müsste die ganze Republik mit Baumängels wegen fehlender wirksamer Abdichtung überschüttet sein. Nachdem dies jedoch nicht der Fall ist, muss hinterfragt werden, weshalb eine Vielzahl von Gebäuden mit PE-Folien als einzige untere Trenn- und Abdichtungslage ohne Schäden sind.
Zwischenfrage KF: Vielleicht ist der Boden gar net so feucht, wie viele annehmen?
Leider sind auch viele Gutachten bekannt, die alleine das Fehlen einer DIN-gerechten Abdichtung mit Bitumen-, PVC- oder Kunststoffbahnen zum Baumangel erklärten, weil nicht normgerecht gebaut worden sei. Für diese Gutachter bedeutete dieser Sachverhalt, dass sie keine weiteren Anstrengungen unternahmen, um nach der eigentlichen Ursache der aufgetretenen Schäden zu forschen.
Der betroffene Unternehmer wurde allein aus diesem Grunde ohne Einschränkung zur Mangelbeseitigung verurteilt, weshalb eine Vielzahl von Bodenplatten unsinniger Weise herausgerissen und neu errichtet werden mussten. Die Verhältnismässigkeit der Mangelbeseitigung trotz hoher Kosten wurde damit begründet, dass nur der Abbruch und die Neuerrichtung mit regelrechter Abdichtung zum Erfolg der Mangelfreiheit führen könne.
[Es wird richtigerweise weiter ausgeführt, daß die normgemäß vorausgesetzten Feuchtelasten gar nicht vorliegen bzw. nicht zwangsläufig so vorliegen müssen oder können, daß daraus eine [KF: in Anbetracht der Realität geradezu idiotische] Muß-Forderung abzuleiten ist]
Fazit: [...]
- Der vielfach geäusserte Verdacht, dass Lobbyisten die fachlichen Aussagen von DIN - Normen verfälschen, kann auch in diesem Fall leider nicht entkräftet werden. Die Notwendigkeit der mit masslosen Kosten belasteten Beschaffung des Regelwerks DIN 18195 sollte kritisch überprüft werden. Zu den allgemein anerkannten Regeln der Technik kann dieses Regelwerk wohl nicht gerechnet werden."
Wie wahr! Solch normverliebte Schwachverständige kenne ich sogar persönlich. Adresse auf Anfrage. Und noch eins: Nach all diesen zitatgestützten Ausführungen dürfte wohl klar geworden sein, daß eine "Horizontalisolierung gegen die aufsteigende Feuchte" auch inkl. einer "Flankierenden Maßnahme - Sanierputz" schon lange nicht mehr zu den "allgemein anerkannten Regeln der Technik - a.a.R.d.T." gehören kann. Vor allem Dank Praxis, Forschung und Wissenschaft. Wacker, Fraunhofer und Uni Wismar sei Dank.