Aus der SZ 4.2.1999:
"Kinder im Osten haben seit der Wende öfter Allergien
Magdeburg(dpa) - Nach der Wende geborene Kinder in den neuen Ländern erkranken ähnlich oft an Heuschnupfen wie ihre Altersgenossen im Westen. Dies geht aus einer Studie des Medizinischen Instituts für Umwelthygiene Düsseldorf hervor. Bei älteren Mädchen und Buben gibt es weiterhin Unterschiede: Allergische Erscheinungen treten öfter im Westen als im Osten auf. Laut Studie gaben etwa drei von 100 Eltern aus Halle an, daß bei ihren Kindern Heuschnupfen festgestellt worden sei. 1994 seien es noch zwei Prozent gewesen. Als mögliche Ursachen für vermehrten Heuschnupfen bei kleineren Kindern im Osten nach der Wende nannten die Forscher unter anderem die drastische Zunahme von Autoabgasen, veränderte Trink- und Eßgewohnheiten oder neue Materialien für die Raumausstattung."
Zu letzterem gehören vorzugsweise die gummilippengedichteten Fenster und die Massenwohnungsbausanierung mit Wärmedämmverbundsystemen. Danach geht´s los mit dem krankmachenden Wohnraumklima mit schadstoffangereicherter und feuchter Luftvergiftung.
Aus der SZ 29.1.1999:
"Suche nach einer schadstoffreien Wohnung:
Die Nadel im Heuhaufen
Wer als Mieter ein biologisch ausgestattetes Zuhause sucht, braucht
Geduld und detektivisches Talent
Von Christa Eder
[...] Immer mehr Menschen wollen oder müssen giftfrei wohnen, weil sie die Ausdünstungen in den Durchschnitts-Behausungen nicht mehr vertragen. Daß Bauten krank machen können, ist spätestens seit den Asbest- und Holzschutzmittelskandalen ins Bewußtsein der Öffentlichkeit gerückt. Aber das sind freilich nur die spektakulären Fälle. Bekannt aber nicht bewußt hingegen ist die gesundheitliche Bedenklichkeit von konventionellen Bausubstanzen.
Sick Building Syndrom
So können Baustoffe, die beispielsweise Hochofenzement, chemisch hergestellten Gips oder Bimsstein enthalten, radioaktiv belastet sein; Kunststoffe wie Polyurethan, die in Putzen, Ortschäumen oder Strukturtapeten vorkommen, setzen womöglich gesundheitsschädliche Flammenschutzmittel frei; Lacke, Kleber, Bodenbeläge oder Abbeizmittel wiederum setzen Lösemittel und Glykole frei. Ein Problem stellen auch Altlasten wie PCB (seit 1978 verboten), Asbest (seit 1991 verboten) oder Lindan dar. Diese Substanzen wurden vor allem in den sechziger und siebziger Jahren verwendet. Eine Sonderrolle nimmt das Formaldehyd ein. Es findet sich nach wie vor in vielen herkömmlichen Baustoffen (Spanplatten, Laminat und Fertigparkett, Kleber, Dämmschäume, Lacke, PVC, aber auch in Abgasen von Tiefgaragen) und kann Allergien hervorrufen oder verstärken.
All die genannten Stoffe können eine Reihe von Symptomen auslösen: Schleimhautreizungen, Atembeschwerden, Allergien, Kopfschmerzen, Schlafstörungen bis hin zu Organschäden und Krebs. Fachleute fassen gesundheitsschädliche Faktoren von gebäudebedingten Faktoren unter dem Sammelbegriff Sick Building Syndrom (SBS) zusammen. Auffällig bei den Betroffenen ist eine Geruchsempfindlichkeit in Verbindung mit den genannten Symptomen. Wer an SBS leidet, kann seine Wohnung oder Arbeitsstätte im wahrsten Sinne nicht mehr riechen. [...]."
Weiter: Kapitel 19Und wohin mit all´den giftigen Substanzen des Wohnraums bei dichten Fenstern und Blower-Door-kontrollierter Versiegelung des dämmtechnisch erwürgten Bauwerks? Na klar doch - in die effektivste Filteranlage der Welt: Das Lungengewebe des Menschen mit seiner fußballplatzgroßen inneren Oberfläche. Da ist doch Platz, oder?
Neben dem Sick Building Syndrom SBS, das vorzugsweise in zwangsentlüfteten bzw. klimatisierten Aufenthaltsräumen den Menschen zum Opfer der ärztlichen Kunst verdammt, gibt es aber auch die sog. Building Related Illness BRI. Sie faßt die Erkrankungen durch Schimmelpilz, Radon, Milben usw. zusammen, die als Bronchialasthma, Allergie usw. auftreten.
Im Unterschied zum SBS kann bei BRI die Quelle der Krankheit eindeutig bezeichnet werden. In Frage kommen z.B. die typischerweise verkeimten Lüftungsanlagen, der Schimmelbefall in gem. DIN abgedichteten Bauwerken usw. Letztlich gibt es auch noch die Multiple Chemical Sensitivity MCS. In vielfältigen Erscheinungsformen ist sie das Ergebnis unserer modern "vergüteten" Bauprodukte der Bauchemie vom Bodenkleber über schadstoffdünstende PVC-Fenster und Küchenmöbel bis zu den kunstharzhaltigen Putzen und Anstrichen.
Alle diese Krankheiten werden durch "modernes" Bauen, vorschriftsmäßiges Wärmedämmen inkl. Raumabdichtung und zwangsbetriebene Lüftung mittels Anlagentechnik zu einem regelrechten Anschlag auf die Volksgesundheit gesteigert. Und jeder wirbt für seinen Quatsch und schiebt es im Schadensfall auf den anderen. Darf man das 'Irreführende Werbung' nennen?
Und wir erinnern uns: In ihrem Grundlagendokument "Hygiene, Gesundheit und Arbeitsschutz" fordert die Bauproduktenrichtlinie: "Das Bauwerk muss derart entworfen und ausgeführt sein, dass die Hygiene und die Gesundheit der Bewohner und der Anwohner ... nicht gefährdet werden durch Freisetzung giftiger Gase, Vorhandensein gefährlicher Teilchen oder Gase in der Luft, Emissionen gefährlicher Strahlen ...".
Man ahnt schon, welch´ Prozeßlawine die Rechtsvertreter der SBS/BRI/MCS-geschädigten Bauwerksnutzer lostreten werden, wenn sie auf diese Passage stoßen. Und gegen wen? Natürlich gegen den gesamtschuldnerischen Architekten. Der ist ja haftpflichtversichert, da lohnt sich jeder Prozeß und bringt immer Kohle.
Literaturtipp: Klaus Fiedler: Innenraumqualität, Bauprodukte und Gesundheit, Deutsches Architektenblatt DAB 1/2000
(wobei anzumerken ist, daß das DAB Kritik nicht selten in den Papierkorb wachsen läßt, lesen Sie hier die nicht angenommenen Leserbriefe zum Thema)